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A Briaf an mein Baba




Baba,

mei mei liaba Baba…



I bin wieder do, do bei dir….

Vui z´weng bin I eigentlich do- “Wos soin denn do de Nochbarn song?”

Grod guad, dass uns des oiwei scha Wurst war….


I bin wieder do…I fohr ned aufs Grob zu dir, i trauer do, do bei dir…

Do, auf dem Stückerl Land des nia uns ghört hod,

des oba trotzdem oiwei scha mei Hoamat war.

I gspür di no, do…


Do, in jedem Groshoim, in jedem Lüftal des ma um d´Nasn weht,

in jeden Ziagl vo dem Haus, des ohne di ausanadafoid.

Oba irgendwie verblasst ois…. Des mochd ma Angst, Baba…


De neia Nachbarn kennan di scho go nimmer. Wissen bloß vom Hörn-Sagen vo dem oidn Mo der do unt in dem gloana Haisal alloa gwohnt hod.

Nia hams di dalebt, wiast an jeden - wirklich an jeden - mif offane Arm a Hoibe obotn host. Nia hams di dalebt wia lustig und megad du wirkle warst.

Deim Charme hams nimmer dalegn kinna.


I bin wieder do, an dem Ort, an dem I meine glücklichsten Jahre verbrocht hob.

A Kindheit de selten worn is - a Kindheit de ma jedem Kind nur wünschen ko.

Ja, jetzt sitz I so do, ohne di und mi frierts vo innen aussa.


Sofort, dadst um a Sitzkissal laufa, wennst mi so sitzen seng dadst, im koidn Gros.

“Wega de Nieren, Kathal. Do war ma mia oiwei scha anfällig!”

Du dadst mi frong, wos I do dua an meim gloan “Narrnkastal”.

Den Begriff Smartphone woidst scha go nimmer kenna - Amerikanischer Scheißdreck!

“Schreim”, dad I kurz angebunden song. So kurz angebunden wia ma nur is, wenn ma no moand s´Lem is unendlich und Eltern ned einfach so gengan.. Warum kapiert ma des oiwei erst, wennst dann z´spät is, Baba?


Der letzte Rat denst ma no gem host, hallt seitdem immer no in meim Kopf:

“S´Lem geht einfach so furchtbar schnell vorbei, Kathal!”

Fürsorglich hättst mi drauf hingwiesen, dass I ma so d´Augn kaputt moch und hättst ma ungefragt dei Heiligtum aus längst vergangenen Bürotagen higstellt -

de guade oide ADLER- Schreibmaschin - inkl. Farbbandl!

Dem Farbbandl für des du sämtliche Gschäfta aus da näheren (und weiteren) Umgebung terrorisiert host. A “Gibts nimmer.”, host du nie akzeptiert. Genau de Schreibmaschin steht jetzt mit ganz vui andere, so bsundare Erinnerungen in meim Keller.

In dem Keller den du nia betreten host, in dem Keller von der Wohnung de I “Danoch” erst bezogen hob.


Dei Tod hod sovui verändert, Baba.

I Werd nie wieder dei gloans Kathal sei… Jetzt muass I erwachsen sei…

“I mog oba ned!, schreit des gloane Kathal in mir immer wieder…”I mog oba ned, Baba!”

I mecht genau do sitzn und wieder dei gloans Dirndl sei und spuin mit dir, Sachan herrichtn, wergln. I hob so vui glernt vo dir, Baba! I schließ ma meine Lampen und Waschmaschienen seiba o, I kann an Spax von am Torx unterscheidn und meine Reifen ka I a selber wechsln. Danke, Baba! Auf genau de Sachan bin I heid vui stoiza wia auf jedn Schuiabschluss oder jedn Job de I jemois ghobt hob.

Du host Recht ghobt, abhängig vo am Mo war I nia und werd I a nia sei.


I frog mi, ob an dem Schmarrn, dens uns ois Kinder verzählt ham, wirklich wos dro is…

Ob du wirklich ab und zua oba schaust, auf dei gloans Kathal und ihrn gloana Xaver -

ohne Franz!

I bin so froh, dass eich no kennaglernt habts. Den letzn Dog dens mitanand ghabt habts.

A Samstag wars. Vor dem großen Kieshaufa samma gsessen und da Gloa hod a Schaufe daher zong. Mit wacklige Fiass bist sofort auf und host eam trotz deim unsicheren Stand zoagt wia ma richtig schaufet - Do ka ma ned friah gnua ofanga!


82 Joh ham eich trennt, oba verstanden habts eich blind.

Genauso wia de Buidl und Videos von dem Dog, bist a du aus seiner Erinnerung verschwunden…


Oba, Baba der Bua werd nia vagessen vo wem er des Schaufeln glernt hod,

des versprich I da!

Du gehst ma so ob, Baba!

Du waradst so unglaublich stoiz auf deine Enkal!

Wia a jeds zruck blieme Kind, frog I mi warum I so wenig do war?

Warum I de Zeit mit dir ned bessa gnutzt hob?


Jeden Dog versuach I ma selber zum verzeihen und I hoff du kannst des a, Baba!

I bet jedn Dog, dass du in aller Ewigkeit no gspürst, wia stark di dei gloans Kathal oiwei no liebt. An bessan Baba hätt I mir doch go ned wünschn kinna.

“Du woast mei erster Freind und des vergiss I ni…”


Danke fia de Sachan de du mi glehrt host - Grundwerte aus ana andan Zeit.

Danke fia dei Liebe und deine immer offenen Arme, in de I immer flüchten hob kinna,

wenn ma de Weid a bissal z´schnell worn is.


Danke fia dein unglaublichen Humor denst ma vererbt host.

Danke fia deine Gene, de mi noch 33 Joh und oana Schwangerschaft oiwei no in a 34ger Jeans nei bassn lossn.

Danke fia Ois!


Du werst nia vergessen sei, Baba!


I schau zu deina Hausdia, dei Kerzal brennt ruhig vor sich hi und mi frierts…

Dei gloans Kathal muass jetzt wieder hoam und so doa ois warads a erwachsene Frau….


I denk an di, Baba!


Dei Kathal



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Ich bin wieder hier, hier bei dir….



Viel zu wenig bin ich eigentlich hier, bei dir - “Was sollen sich nur die Nachbarn denken?”

Gut, dass uns genau das immer schon egal war…


Ich bin wieder hier…Ich besuche nicht dein Grab, ich trauere hier, hier bei dir….

Hier auf dem Fleckchen Erde, das wir nie besessen haben,

aber was immer meine Heimat war.


Ich spür dich noch, hier.

Ich spür dich in jedem Grashalm, in jedem Lüftchen das mir um die Nase weht,

in jedem Ziegel von dem Haus, das ohne dich langsam in sich zusammen fällt.


Aber ich spüre auch ,dass du langsam verblasst hier.

Das macht mir Angst, Papa!

Die neuen Nachbarn kennen dich schon gar nicht mehr.

Wissen nur vom Hören-Sagen vom dem alten Mann, der hier alleine in dem kleinen Haus gewohnt hat.

Sie haben es nicht erlebt, wie du jeden - wirklich jeden- mit offenen Armen und einer Flasche Bier begrüßt hast.

Sie haben nie erlebt wie lustig und freundlich du wirklich warst.

Nein, deinem Charme konnten sie nicht mehr erliegen.

Ich bin wieder hier, hier an dem Ort an dem ich die glücklichsten Jahre meines Lebens verbracht habe. Meine Kindheit.

Eine Kindheit die selten geworden ist, eine Kindheit die man jedem Kind nur wünschen kann.

Jetzt sitze ich hier ohne dich und die Kälte scheint mich komplett einzunehmen.

Du würdest mir sofort ein Sitzkissen bringen, wenn du mich hier im Gras sitzen sehen würdest

“Wega de Nieren, Kathal. Do war ma mia oiwei scha anfällig!”

Du würdest mich fragen, was ich denn da mache, an diesem kleinen Narrenkastal.

Den Begriff Smartphone wolltest du schon gar nicht mehr verstehen - Amerikanischer Scheißdreck!

"Schreiben", würde ich kurz angebunden antworten. So kurz angebunden, wie man nur sein kann wenn, wenn man die Endlichkeit noch nicht gesehen hat, wenn man denkt Eltern gehen nicht einfach so.

Wieso kann man das immer erst verstehen, wenn es zu spät ist, Papa? Warum kapiert ma des oiwei erst, wennst dann z´spät is, Baba?

Dein letzter Rat an mich, hallt noch immer in meinem Kopf

“S´Lem geht einfach so furchtbar schnell vorbei, Kathal!”

Fürsorglich hättest du mich darauf hingewiesen, dass ich mir so die Augen kaputt mache und hättest mir ungefragt dein Heiligtum aus Bürotagen vor die Nase gestellt - die gute alte ADLER-Schreibmaschine inkl. Farbband! Dem Farbband für das du sämtliche Geschäfte der näheren (und weiteren) Umgebung terrorisiert hast. Ein "Gibt es nicht mehr", konntest du nie akzeptieren.

Genauso diese Schreibmaschine steht jetzt, zusammen mit so vielen anderen Dingen, die nun eine ganz andere Bedeutung tragen, in meinem Keller. In dem Keller, den du nie betreten hast. In dem akeller der Wohnung, die ich erst "danach" bezogen habe.

Dein Tod hat so vieles verändert, Papa!

Ich werde nie wieder dein kleines Kathal sein.

Jetzt MUSS ich erwachsen sein.

“I mog oba ned!, schreit das kleine Kathal in mir immer wieder…”I mog oba ned, Papa!”

Ich möchte genau hier sitzen und wieder dein kleines Kathal sein. Mit dir spielen, Sachen reparieren, Werkeln.

Du hast mir sovieles gelernt, Papa! Ich schließe Lampen und Waschmaschienen an, ich kann einen Spax von einem Torx unterscheiden, ich kann sogar meine Reifen selbst wechseln. Danke, Papa! Auf diese Sachen bin ich viel stolzer als auf jeden Schulabschluss oder Job, den ich je hatte. Du solltest Recht behalten, abhängig von einem Mann musste ich mich nie machen.

Ich Frage mich ob an den ganzen Mythen und Sagen etwas dran ist und du wirklich irgendwo über uns schwebst und ab und zu runter schaust auf dein kleines Kathal und ihren Xaver

- ohne Franz!

Ich bin so froh, dass ihr euch noch kennenlernen durftet.

Eueren letzten gemeinsamen Tag vergessen ich nie. Es war ein Samstag.

I bin so froh, dass eich no kennaglernt habts. Wir sind vor dem großen Kieshaufen gesessen und plötzlich zig der kleine Mann eine Schaufel daher. Mit wackligen Beinen bist du sofort hin und hast ihm, trotz unsicheren Stand, gezeigt wie man richtig schaufelt - Do ka ma ned friah gnua ofanga!

82 Jahre haben euch getrennt, aber verstanden habt ihr euch blind.

Wie die Bilder und Videos dieses Tages, bist auch du bereits aus seiner Erinnerung verschwunden.

Aber Papa, ich verspreche dir, der Junge wird nie vergessen von wem er das Schaufeln gelernt hat.

Du fehlst mir so, Papa!

Du wärst so unglaublich stolz auf deine Enkel.

Wie jedes zurückgebliebe Kind Frage ich mich, warum ich so wenig hier war? Warum ich die Zeit mit dir nicht mehr genutzt habe?

Jeden Tag aufs Neue Versuche ich mir selbst zu verzeihen.

Ich hoffe du kannst es auch irgendwann,Papa.

Ich bete jeden Tag, dass du auch in aller Ewigkeit noch spürst wie sehr dich dein kleines Kathal immer noch liebt.

Ich hätte mir nie einen besseren Vater wünschen können.

“Du woast mei erster Freind und des vergiss I nie…”


Danke für alles was du mir beigebracht hast - Grundwerten aus einer anderen Zeit.

Danke für deine Liebe und deine immer offenen Armen, in die ich mich retten konnte, wenn sich die Welt ein bisschen zu schnell gedreht hat.

Danke für deinen unendlichen Humor, den du mir vererbt hast.

Danke für die Gene, die mich auch nach 33 Jahren und einer langen Schwangerschaft noch immer in Hosengröße 34 passen lassen.

Danke für Alles!


Du wirst nie vergessen sein, Papa!


Ich blicke zu deiner Haustüre,

deine Kerzel brennt ruhig vor sich hin und da ist sie wieder…Diese Kälte…


Dein kleines Kathal muss zurück nach Hause und wieder so tun als wäre sie eine erwachsene Frau.


Ich denke an dich, Papa!


Dein kleines Kathal



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