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Kreative Hilfe aus dem Rottal

  • 10. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

„Schülerhilfe Shining Masai Tansania“ von Martina Frei –

Mit dem „Trikotmantel“ gegen Koffergrenzen


Eggenfelden. „Not macht erfinderisch“ – ein Sprichwort, das oft beiläufig ausgesprochen wird, im Fall der Hebertsfeldenerin Martina Frei jedoch wörtlich zu nehmen ist. Seit Jahren setzt die Gründerin des gemeinnützigen Vereins „Schülerhilfe Shining Masai Tansania e.V.“ alles daran, die Lebens- und Lernbedingungen von Schulkindern im tansanischen Engare Sero zu verbessern. Nach Besuchen in der Heimat bringt sie Spenden persönlich an die Partnerschule – häufig bis an die Grenze dessen, was Fluglinien erlauben. Denn mehr als 23 Kilogramm Aufgabegepäck und ein kleines Handgepäckstück sind auf den meisten Flügen nicht gestattet. In Ausnahmefällen sind auch zweimal 23 Kilo erlaubt, dies macht aber den Flugpreis meist viel teurer. So musste die Rottalerin zu ungewöhnlichen Mitteln greifen.


Gerade die beliebten Fußballtrikots, die Vereine aus dem Rottal für die tansanischen Kinder spenden, sorgen dabei regelmäßig für logistische Probleme. Ein Versand nach Tansania scheidet aus Kostengründen nahezu aus: Ein 20-Kilo-Paket kostet derzeit rund 150 Euro – Geld, das der Verein lieber in Schulessen oder Projekte vor Ort investiert. So bleibt Martina oft nur die Möglichkeit, ihr eigenes Reisegepäck drastisch zu reduzieren.


Doch selbst das gelingt nicht immer. 2023 musste Martina am Flughafen ihr um zwei Kilogramm zu schweres Handgepäck entleeren – und Kinderkleidung entsorgen, da ihr ansonsten die Weiterreise verweigert worden wäre. „Es kommt immer auf die Fluggesellschaft an und natürlich auf die Kulanz der Mitarbeiter dort. In diesem Fall hatte ich einfach Pech“, erzählt sie. Auch der Hinweis, dass es sich bei dem Übergepäck um Spenden handle, ließ den Mitarbeiter unbeeindruckt.


Diese Erfahrung führte schließlich zu einer Idee, die ebenso ungewöhnlich wie wirkungsvoll ist. Gemeinsam mit Mutter Kunigunde, die gelernte Schneider-Meisterin, Gründungsmitglied und seit jeher eine der wichtigsten Stützen für Martina ist, wurde an einer Lösung für das Problem gearbeitet. Die Idee: eine Steppjacke, gefüllt mit den heiß begehrten Fußballtrikots. Kleidungsstücke gelten am Körper getragen nicht als Gepäck – warum also die Spenden nicht buchstäblich anziehen?



Aus dieser Überlegung entstand zunächst ein Prototyp, später ein weiterentwickelter „Trikotmantel“, ergänzt durch ein „Nackenhörnchen“, das zusätzlich Sporthosen aufnehmen kann. In stundenlanger Feinarbeit wurden die Kleidungsstücke abends „beim Fernsehschauen“ in die Kammern der Jacke gestopft. Allein in diesem Jahr fanden so 96 Trikotoberteile und 36 Hosen auf völlig unkonventionelle Weise ihren Weg nach Tansania. Das bedeutete für Martina rund 15 Kilogramm zusätzliches Gewicht am Körper. Insgesamt rund 80 Kilo Gepäck begleiteten sie auf der rund 15-stündigen Reise – doch für sie ist der Nutzen eindeutig: „Wenn ich die Jacke dann mit den Kindern zusammen aufschneide und die Trikots verteile, ist jeder Schweißtropfen vergessen.“


Der Mantel trägt Spuren des Rottals bis nach Ostafrika. Zahlreiche hiesige Vereine beteiligen sich seit Jahren großzügig mit gebrauchten, aber gut erhaltenen Trikotsätzen: SV Hebertsfelden, TV Bad Birnbach, SSV Eggenfelden, TSV Massing, TSV Mitterfels, FC Straßkirchen oder die SG Huldsessen/Dietfurt – ihre Vereinsfarben prägen inzwischen das Bild auf improvisierten Fußballplätzen rund um Engare Sero. Dass Kinder dort Trikots tragen, die zuvor in regionalen Sporthallen und auf Rottaler Wiesen im Einsatz waren, schafft eine Verbindung, die über Kontinente hinweg reicht. In Gesprächen mit Martina wird deutlich, dass die Kinder nicht nur materiell profitieren: Das Tragen der Trikots vermittle ihnen Stolz und Motivation, aktiv zu lernen und Sport zu treiben.


Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsmittelschule Eggenfelden. Die Schülerinnen und Schüler informieren sich über „ihre“ Kinder, organisieren Spendenaktionen und zeigen laut Martina bemerkenswertes Engagement. Ein Schüler sammelte sogar eigenständig Fußbälle und Stifte für den Transport nach Afrika. Auch die Kolpingfamilie unterstützt Martina. Ein Teilerlös der Sternsinger 2025 kam den Kindern in Ostafrika zugute.



Für die Partnerschule in Engare Sero hat die Unterstützung aus dem Rottal unmittelbare Folgen: Dank der jüngsten Spenden konnte dort mehrere Wochen lang das Mittagessen für rund 700 Schulkinder finanziert werden – ein entscheidender Beitrag, denn für viele Kinder ist das Schulessen oft die einzige warme Mahlzeit des Tages.


Um Unterstützerinnen und Unterstützer künftig noch besser einzubeziehen, gründete Martina eine WhatsApp-Community. Dort berichtet sie direkt aus Tansania, zeigt Bilder, Videos und erzählt von Begegnungen. Auch ein Video zum „Trikotmantel“ ist über die Vereinswebsite (www.shiningmasai.com) abrufbar – ein eindrucksvolles Zeugnis dessen, was mit Kreativität und Zusammenhalt möglich ist.



Auch wenn politische Unsicherheiten, Korruption und bevorstehende Wahlen die Arbeit vor Ort erschweren, lässt sich Martina nicht entmutigen. Ihr Ziel bleibt klar: Kindern einen Ort zu geben, an dem sie lernen, spielen und einfach Kind sein dürfen.


Der „Trikotmantel“ zeigt eindrucksvoll: Manchmal braucht es nur eine kreative Idee, viel Herzblut und ein starkes Netzwerk im Hintergrund, um Großes zu bewegen – aus dem Rottal bis nach Ostafrika.


(Katharina Raeck - veröffentlicht am 28.12.2025 im Rottaler Anzeiger)







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