30ter Hoagart in Neufahrn

Wer braucht scho a Instagram, wenn ma Instrumente ham?


Wenn sich im kalten November Trachtenkleider, Lederhosen und Dirndlgwänder am Bahnhof versammeln, dann sind das keine Wiesn- Nachzügler, dann ist wieder Hoagartzeit!

Auch in diesem Jahr, lud die Lokalgröße Schorsch Rupp wieder zur Traditionsveranstaltung „mit echter Musik, ohne Strom“ ins Gasthaus Maisberger ein. Das Wochenende vom 15. November stand ganz im Zeichen von Volksmusik, Mundart und lustigen Geschichten.

Bereits zum 30ten mal organisierte Rupp zusammen mit dem Kulturreferat den Heimatabend. Die Idee dazu entstand vor 31 Jahren bei einer Vereinsfeier, bei der, der aus einer Musikerfamilie entstammende Rupp, zum ersten Mal einen Hoagart ausrichtete. Der damalige Kulturreferent, Rudi Singer, erkannte das Potential und holte die Veranstaltung im Jahr darauf in die alte Halle. 11 Jahre lang traf sich die Gemeinde dort. Doch die Bühnenveranstaltung entsprach nicht dem ursprünglichen Gedanken des „Hoagarts“ und so siedelte man vor 19 Jahren ins Gasthaus Maisberger um. „Ein Hoagart gehört nicht auf die Bühne, sondern in ein Wirtshaus. Die Musiker sollen unter den Leuten sitzen, das macht das ganze einfach gemütlicher.“, erklärt der 53jährige Rupp den Locationwechsel. Auch die heutige Kulturreferentin, Christa Kürzinger, betont die Wichtigkeit der Veranstaltung und nennt Rupp ihr „bestes Pferd im Stall“.

Frei nach dem bayrischen Spruch: „Man sogt jo nix, man red jo bloß“, trieben Rupps Geschichten den jeweils 180 Zuschauern am Freitag und Samstagabend Lachtränen in die Augen.

Der Hoagart hat in Bayern viele Namen. Doch wie man es auch immer nennen mag: Hoagascht, Hoangartn, Huigert oder Hoimgarta – zünftig ist es allerweil.

So unterschiedlich die einzelnen Namen sind, so unterschiedlich ist auch die Musik der einzelnen Regionen.

Die Oberpfälzer Laabertal Musikanten sorgten für einen fulminanten Start in die Auftaktveranstaltung.

Die, frei nach dem Bier benannte, Zwigglmusi, aus dem Raum Ingolstadt, untermale den Abend mit traditionellem Liedgut.

Die beiden Newcomer, die „junga Oidboarischen“, beeindruckten mit einem perfekten Spagat zwischen moderner Volksmusik und gelebter Tradition. Jung, frech und ungezügelt, nahmen sie kein Blatt vor den Mund. Doch übel nahm es ihnen niemand, wenn sie mit spitzbübischem Lächeln wieder zu den Instrumenten griffen und aufspielten, als hätten sie nie etwas anderes getan.

Kürzinger und Rupp sind sich einig: Das Brauchtum liegt wieder voll im Trend. Seit mittlerweile 6 Jahren findet der Neufahrner Hoagart an zwei Abenden statt. Die Nachfrage war einfach zu groß und auch an diesem Wochenende waren beide Veranstaltungen restlos ausverkauft.

Gerade in der heutigen, so schnelllebigen Zeit bietet die Traditionsveranstaltung einen Abend voller Gemütlichkeit und Geselligkeit, abseits vom immergleichen Fernsehprogramm.

Denn auch hier gilt:

Wer Tradition erhalten will, muss sie auch Leben.

Für Sie berichtete Katharina Raeck

(veröffentlicht am 26.11.2019 im Neufahrner Echo - IKOS Verlag)