Mit Aufwind in die Zukunft
- 28. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 29. Juli
131 Absolventen der Wirtschafts-Mittelschule erhalten im Gotischen Kasten ihre Zeugnisse

Eggenfelden. In ganz besonderem Rahmen verabschiedete die Wirtschafts-Mittelschule ihre Absolventinnen und Absolventen: Weil der Stadtsaal gesperrt ist, fand die Zeugnisvergabe erstmals im Gotischen Kasten statt. Unter dem Motto „Aufwind“ beendeten 131 Jugendliche ihre Laufbahn an der Wirtschafts-Mittelschule und starten nun in einen neuen Lebensabschnitt. Mit einem Trommelstück eröffnete die Musikgruppe der sechsten Klassen unter der Leitung von Musiklehrerin Mariola Libera die Entlassfeier. Während Hände, Trommeln und der eigene Körper als Instrumente zum Einsatz kamen, füllte sich der Gotische Kasten bis auf den letzten Platz. Rund 300 Sitzplätze waren vorbereitet, dennoch
mussten einige Gäste stehen. Rektorin Susanne Hecht begrüßte die Absolventinnen und Absolventen mit ihren Familien sowie zahlreiche Ehrengäste.
Schulabschluss bildet "solide Startbahn"
Bürgermeister Martin Biber zeigte sich in seinem Grußwort zunächst begeistert vom erstmals als Veranstaltungsort genutzten Gotischen Kasten. „Historisch hochwertig
– für euch gerade gut genug“, sagte er mit Blick auf das Gebäude. Mit diesem Gedanken
verband er auch einen Appell: Es sei schade, dass der Gotische Kasten über Jahrhunderte Kriege und Krisen überstanden habe, die neu gepflanzten Bäume auf dem Schulgelände
jedoch nicht einmal die erste Nacht unbeschadet überlebt hätten. Der jüngste Vandalismus
schade der gesamten Schulgemeinschaft, weshalb nun Videokameras installiert werden müssten. Anschließend richtete Biber den Blick wieder auf die Absolventen und griff das Motto „Aufwind“ auf. Aufwind spüre man immer dann, wenn man sich bewege. Mit Motivation könne aus Zugluft Aufwind werden, der weiter und oft höher trage als gedacht. Den Jugendlichen bescheinigte er, mit ihrem Abschluss eine solide Startbahn durchlaufen und somit einen wichtigen Grundstein gelegt zu haben. Fantasie und Wissen eröffneten
viele Wege, auch wenn Berufsbiografien selten geradlinig verliefen, wie sein eigenes Beispiel am besten beweise. Er ermutigte die Absolventinnen und Absolventen, den Aufwind für ihren weiteren Lebensweg zu nutzen. Auch Bürgermeisterin Karin Kienböck-Stöger aus Hebertsfelden und Wolfgang Meyer, Vorsitzender des Fördervereins, gratulierten den Absolventinnen und Absolventen und ermutigten sie mutig und stolz in den neuen Lebensabschnitt zu gehen. Anschließend standen die Jahrgangsbesten im Mittelpunkt. Besonders bemerkenswert war die Leistung von Huda Freij, die als beste Absolventin der Deutschklasse ausgezeichnet wurde. Erst vor gut einem Jahr war sie aus dem Libanon nach Deutschland gekommen. In ihrer Dankesrede schilderte sie, wie sehr sie die Unterstützung
ihrer Familie und der Lehrkräfte getragen habe. Die Schule sei für sie zu einem zweiten Zuhause geworden. Bei den Qualifizierenden Abschlüssen erreichte Maximilian Riedl mit einem Notendurchschnitt von 1,78 das beste Ergebnis, gefolgt von Daria Gotenko (1,83) und Amelie Pleintinger (1,94). Die besten Abschlüsse der Mittleren Reife erzielten Charlotte
Neumeier (1,9), Kristina Wagner (2,1) sowie Marwa Naji und Christian Wasmeier (beide 2,3). Von den Ehrengästen bekamen die Jahrgangsbesten kleine Geschenke überreicht. Eine weitere Auszeichnung erhielt Mariia Storozhok aus der Klasse 9c. Sie gewann den Malwettbewerb für die Titelseite des Jahresberichts. Mit viel Humor blickten die Schülerinnen und Schüler auf ihre Schulzeit zurück. Als Vertreter der neunten Klassen erinnerten die Schülersprecher Nermin Hussein und Yousif Jumaa mit Klassensprecher
Ahmad Alhaj Hosin an die Abschlussfahrt nach Berlin, Begegnungen mit französischen
Schülerinnen und zahlreiche gemeinsame Erlebnisse. Für die zehnten Klassen ließen Leyla Al-Kaki, Hümeyra Kücükkaya, Marwa Naji und Celina Löwe unter anderem „geheime Kartenspiele im Unterricht“, taktische Toiletten-Pausen und Ernährungspausen beim Supermarkt Revue passieren. Nermin Hussein berichtete nach dem offiziellen Teil
der Veranstaltung, dass sie selbst Fachlehrerin werden möchte, inspiriert von mehreren Lehrkräften der Wirtschafts-Mittelschule. Sedar Abbara aus der 9a wird ihre schulische Laufbahn an der KWA in Pfarrkirchen fortsetzen. Beide Absolventinnen gaben den jüngeren
Schülerinnen und Schülern denselben Rat mit auf den Weg: „Genießt die Schulzeit, es lohnt
sich.“
"Ungeschriebene Kapitel des Lebens füllen"
Den Schlusspunkt setzte traditionsgemäß Rektorin Susanne Hecht. Sie ging nochmals auf das Motto „Aufwind“ ein und verdeutlichte, wie die Schülerinnen und Schüler in den letzten Jahren gelernt haben, mit verschiedenen Winden umzugehen. Sie gratulierte
den Absolventen nicht nur zu ihrem Abschluss, sondern vielmehr zu einem Anfang. Die Schulzeit sei eine Zeit der Vorbereitung gewesen, nun gelte es, die vielen ungeschriebenen Kapitel des eigenen Lebens mit Mut und eigenen Entscheidungen zu füllen. Erfolg messe sich nicht an Noten oder Titeln, sondern daran, Verantwortung zu übernehmen und anderen
mit Respekt zu begegnen. Ihr Wunsch: Der Aufwind möge in jedem Einzelnen selbst wachsen – aus Neugier, Zuversicht, Begeisterung und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Mit dem Seneca-Zitat „Nicht, weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es
nicht wagen, ist es schwer“ schloss sie ihre Rede.
Für die Bewirtung sorgten traditionsgemäß
Elternbeirat und Förderverein. Noch lange standen viele Gäste beisammen, blätterten gemeinsam durch Erinnerungen an die vergangenen Schuljahre und ließen den Vormittag in Gesprächen ausklingen.
(Katharina Raeck - veröffentlicht am 28.07.2026 im Rottaler Anzeiger)




Kommentare