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Mit Baby im alten VW Bus nach Indonesien

  • vor 6 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit

Franzi Enghofer und Heino Pfeil reisten mit ihrer kleinen Tochter nach Südostasien:

172 Tage lang durch 15 Länder


Anzenkirchen. Elternzeit – das bedeutet für viele: Zuhause ankommen, einen neuen Alltag und einen Rhythmus finden. Für Franzi Enghofer (34) und Heino Pfeil (37) aus Anzenkirchen hieß es: Aufbrechen. Mit ihrer Tochter Lilli, damals vier Monate alt, fuhren sie im August 2025 für 172 Tage los – quer durch Europa, den Kaukasus, Zentralasien, China und Südostasien.

Rund 30 000 Kilometer, 15 Länder – Ende Januar diesen Jahres kamen sie ins Rottal zurück.


Franzi und Heino wurden schon 2010 am Gymnasium in Pfarrkirchen ein Paar. Im Studium merkten sie: Sie teilen die Lust aufs Unterwegssein, auf ferne Länder und die einfache Art zu reisen. Fast alle Semesterferien verbrachten sie im Ausland, 2018 folgte nach Studium und Promotion eine sechsmonatige Backpacker-Weltreise. Als 2025 die Elternzeit anstand,

war für die inzwischen als Richterin und Softwareentwickler arbeitenden Rottaler klar: „Das ist

unsere Chance, als Familie gemeinsam loszuziehen.“ Eine Hauptrolle spielte ein türkiser VW LT 28, Baujahr 1987. Heino hatte ihn 2023 im Internet entdeckt, ausgebaut von einem

Landshuter Künstler. Der Bus hatte eine Marokkoreise und eine Mittelmeerumrundung

hinter sich, als er mit rund 180 000 Kilometern ins Rottal kam. Das Kennzeichen „PAN“ gab ihm seinen Namen: „PanDa“. Die erste große Tour nach Skandinavien verlief chaotisch

– Licht, Scheibenwischer, Kühlerschlauch kaputt. „Das hat uns eher abgehärtet als abgeschreckt“, sagt Heino.


Unterstützung und Routenplanung


Mit Lillis Geburt im April 2025 wurde aus der Idee ein Plan: im Bus Richtung Südosten, über den Balkan, die Türkei, den Kaukasus und Zentralasien bis nach China. Der „PanDa“ sollte bis nach Chengdu reisen. Ein festes Datum gab es nur für die Einreise nach China Ende

Oktober – wegen der Visa und des Winters im Himalaya. In der Familie stieß das Vorhaben auf Skepsis: Mit Baby in einem fast 40 Jahre alten Bus bis nach Asien? Mit der Zeit überwog jedoch die Unterstützung. Beim Umbau half die ganze Verwandtschaft, eine befreundete

Kinderärztin erstellte den medizinischen Plan, erklärte Impfungen und war während der Reise telefonisch erreichbar. „Sie war wie unser Telefonjoker“, lachen die Eltern, gebraucht wurde dieser Joker glücklicherweise nie. Am 12. August rollte der türkise Bus vom Hof. An Bord: Babybett, Klimaanlage, Moskitonetze – und ein Kasten Weißbier „für besondere

Momente“. Die Route führte durch Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien und Nordmazedonien nach Griechenland. Lilli reiste im angepassten Reisebett, in dem

sie liegend gesichert schlief. „Sie hat schnell gelernt: Wenn der Motor brummt, ist Schlafenszeit“, erzählt Franzi. In Griechenland gab es das erste große Highlight für die

Kleine: Baden im Mittelmeer. Ab der Türkei begann der abenteuerliche Teil. Dort ist wildes

Campen legal. Die junge Familie übernachtete an Stränden, in Bergen, an Flussufern. „Wir sind einfach dorthin gefahren, wo es schön war“, sagt Heino. Die türkische Gastfreundschaft blieb ihnen besonders in Erinnerung – oft mussten sie kaum selbst einkaufen, weil sie eingeladen und versorgt wurden. Lilli machte unterdessen ihre Entwicklungsschritte im Zeitraffer: erstes Brabbeln, erster Zahn – und schlaflose Nächte. In Istanbul meisterte Heino trotz ausgefallenem Tempomat den Millionenverkehr, bevor es an der Schwarzmeerküste

entlang weiterging. Ende August blieb der „PanDa“ auf einer Schotterstraße in der Türkei zum ersten und einzigen Mal liegen: verstopfte Dieselfilter nach schlechtem Kraftstoff. Mit

einer improvisierten „Kanister- Lösung“ schafften sie es zur nächsten Werkstatt. „Das war so ein Moment, in dem wir gemerkt haben: Ohne Humor geht es nicht“, sagt Franzi. Nach der Reparatur wurde dann ein erstes Weißbier geöffnet. Über Georgien, wo ein echter georgischer Prinz ihre Wäsche wusch, und den Kaukasus führte die Route Mitte September kurz durch Russland – in einer Phase politischer Spannungen. „Die Menschen waren unglaublich freundlich, aber mit Blick auf Lilli und die nervösen Anrufe von daheim sind wir schnell weiter nach Kasachstan gefahren“, erzählt Heino. Nach zahlreichen Checkpoints

und einem verschenkten Weißbier an einen russischen Posten erreichten sie nach rund 16

Stunden die kasachische Wüste, wo sie Kamele und endlose Steppe erwarteten. Am Aralsee verbrachten sie mehrere Nächte in völliger Einsamkeit – umgeben von Sand, Grasbüscheln und Herden wilder Pferde, Kühe und Schafe. In der Seidenstraßenstadt Türkistan bestellten

sie mangels Sprachkenntnissen nach Bauchgefühl – und stellten erst später fest, dass alle

bestellten Gerichte größtenteils aus Pferdefleisch bestanden. Anfang Oktober ging es nach Usbekistan. Die Sehnsucht im Rottal war nun so groß, dass Heinos Eltern ihre Südtirol-Pläne aufgaben und nach Zentralasien flogen. „In Südtirol hat es geregnet, da habe ich gesagt: ‘Kommt nach Usbekistan, hier ist es warm‘“, grinst Heino. Nach Abstechern nach Tadschikistan war das nächste Ziel: „Kirgistan gehört zu den schönsten Ländern, die wir je gesehen haben“, sagen Franzi und Heino, besonders wegen der Bergwelt. Mit dem „PanDa“ überquerten sie den 3615 Meter hohen Taldyk-Pass, übernachteten auf über 3000 Metern mit Blick auf den über 7000 Meter hohen Peak Lenin. Im Bus wurde es frostig.

Vor China wurde der VW-Bus gründlich durchgecheckt, dann schloss sich die Familie einer internationalen Reisetruppe an. Am 21. Oktober rollte der „PanDa“ nach China. Rund 7000 Kilometer legten sie dort zurück, in nur 30 Tagen: durch die Wüste Taklamakan, über

tibetische Hochebenen, durch Megastädte mit blitzblanken Autobahnen und auf rumpeligen

Nebenpisten. „China ist extrem modern, aber auch ein Überwachungsstaat, den man permanent spürt“, beschreibt Franzi. Lilli und der alte VW-Bus waren Magneten für Aufmerksamkeit. „Wir wurden ständig fotografiert, Lilli wurde herumgereicht – immer freundlich, aber für uns ungewohnt.“ Alte Fahrzeuge sind in China selten, ein VW von 1987 eine Sensation. Mitte November erreichten sie Chengdu, die Stadt der Großen Pandas – das symbolische Ziel. Lilli bekam Stoffpandas, der Bus zusätzlichen Panda-Schmuck. Zugleich

stellte sich die praktische Frage: Was passiert mit dem Bus, wenn die Reise nach Südostasien

führt? Verschiffung nach Europa wäre teuer, ein Verkauf zu kompliziert. Die Lösung kam über soziale Medien: Die Französin Margeaux, selbst Langzeitreisende, erklärte sich bereit, den Bus in Kambodscha zu übernehmen und in den kommenden zwei Jahren nach Europa

zurückzubringen – mit Leihvertrag und Vollmachten. Franzi, Heino und Lilli reisten weiter nach Laos. Dort tauschten sie Megacitys gegen Regenwald, Wasserfälle und einsame Lagunen. Lilli lernte sitzen und krabbeln – und nachts kamen wieder neue Zähne. An der Grenze zu Kambodscha half ein „Trinkgeld“ in US-Dollar, ein fehlendes Dokument zu

ersetzen und einen langen Umweg zu vermeiden. Am 16. Dezember erreichten sie Kambodscha. Nun hielt es auch Franzis Eltern und ihre Schwester nicht mehr daheim

und so kam nochmals Familienbesuch aus dem Rottal. Die Familie feierte Lillis erstes Weihnachten und Silvester – bei 30 Grad.


Emotionaler Abschied vom "PanDa"


Kurz nach Neujahr übergaben Franzi und Heino in Phnom Penh übergaben Franzi und Heino ihren „PanDa“ an Margeaux. In der deutschen Botschaft wurden die Papiere

beglaubigt. „Es war schwer, den Bus wegfahren zu sehen“, sagt Franzi. Für die Familie ging es weiter nach Indonesien. Lilli entdeckte Strände, Dörfer, Vulkane und Regenwald von der Schultertrage aus. Die Eltern ließen ihre Tauchleidenschaft wieder aufleben. Am 29. Januar landeten die drei wieder in Bayern. Nur wenige Tage später trat Franzi ihre Stelle als

Richterin im Landkreis Rottal-Inn an. „Nach so einer Reise zurück in den Vollzeitjob, das war schon eine Umstellung“, sagt sie. Die Reise, finden beide, lasse sich in drei Worten zusammenfassen: „Viel zu kurz.“ Alles sei von Lilli abhängig gewesen. „Wäre sie krank geworden, oder hätte es als Familie für uns nicht gepasst, hätten wir sofort abgebrochen.“ Doch sie machte alles mit, fremdelte kaum, öffnete überall Herzen und Türen. Was bleibt, ist eine neue Wertschätzung für das Selbstverständliche. „Ein funktionierendes Klo und sauberes Wasser aus der Leitung – das sieht man mit anderen Augen“, sagt Heino. Er träumt

schon jetzt von der Panamericana, der Route von Kanada bis Chile – vielleicht eines Tages mit dem „PanDa“, wenn der türkise Bus nach Anzenkirchen zurückfindet. Aktuell lebt die Familie mit Franzis Eltern und Großeltern in einem Vier-Generationen-Haus. Dort können (Ur-)Großeltern und Enkelin die verpasste Zeit nachholen. „Vielleicht machen wir die

Reise irgendwann nochmal mit Lilli, wenn sie älter ist“, überlegen Franzi und Heino. Dann kann sie bewusst sehen, wo sie was gelernt hat: das erste Baden im griechischen

Mittelmeer. Die erste Bootsfahrt am Bosporus. Die erste Seilbahnfahrt in Ordu. Ihr erster Verehrer in Russland. Der erste Zoobesuch in Kasachstan. Das Sitzen- Lernen, ihr erster Helm inkl. Rollerfahrt und die erste Ballonfahrt in Laos. Treppensteigen in Kambodscha. Vulkanbesteigung in Indonesien. Das erste Weihnachten und Silvester in Südostasien.

Wer mehr über die Route und einzelne Etappen der Familie erfahren möchte, findet Fotos und Berichte unter www.findpenguins.com und in der dortigen



(Katharina Raeck - veröffentlicht am 08.08.2026

in der Passauer Neuen Presse und im Rottaler Anzeiger)


Franzi & Heino im Interview








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